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Reise nach Konakovo / Russland

Reisebericht Russland vom 17.05 – 23.05.2009

geschrieben von Robert Johst

Wir starteten in Berlin, was heißt: Eigentlich starteten wir in Frankfurt (Oder). Um halb sechs standen wir an einem Sonntagmorgen (!) vor unserem geliebten Bus und warteten, dass sich die Türen öffneten, wobei ich es mal wieder ziemlich eilig hatte, überhaupt pünktlich zu kommen. Dass noch niemand mit glänzenden Augen begierig auf die Abreise wartete, lag vermutlich daran, dass alle die Augen mehr oder weniger geschlossen hatten; seien es verschlafene Soprane, der Junge, der erst vor acht Stunden erfahren hatte, dass er überhaupt mitreisen konnte, oder einfach ein paar Männerchöre nach einer vermutlich durchzechten Nacht … Als endlich alle ihre Sitz- oder Liegeposition erreicht hatten, stand nur noch ein Koffer draußen … Wessen das wohl gewesen ist?

Nach einer Fahrt mit Sonnenaufgang (den wohl keiner so recht bemerkte) kamen wir in Schönefeld relativ wach an. Dann ging es los mit Rucksack schnappen, Gang drängeln, Koffer suchen – Koffer tauschen. Ich bekam für meinen einen zweimal schwereren. Als nächstes blockierten wir die absolut breite Eingangstür des Flughafens mit einer Endlos-Schlange und tauschten untereinander, um zusammenhängende Sitzplätze zu bekommen: „Hast du 13A?“ „Nein, 23B“ „Können wir tauschen?!“ „Nö, aber frag mal Andreas …“. Nach der Sicherheitsabfertigung, wo jemand tatsächlich seine Trinkflasche loswurde, warteten wir auf den Gate-Aufruf und machte einige Zeitschriftenläden unsicher. Gut aussehende Flugbegleiterinnen in Rot begrüßten uns später an Bord und so ließ auch dann der Start nicht lange auf sich warten.

In Moskau/Vnukovo angekommen, war das doch eine andere Welt. Man fühlte sich zwar beim Anblick der vielen Plattenbauten etwas heimisch, aber am Boden waren die netten Fluglotsen, Rollbahnbetreuer und Visumsfrauen mit ihren starren Mienen doch eher ungewohnt. Wir holten unsere Koffer und gingen zu einem anderen Bus, der für erwartete Verhältnisse er recht modern war. Die Straßen hingegen bestanden aus regelmäßig viereckig ausgeschnittenen Schlaglöchern. Es dauerte schon eine Weile, bis wir Moskau verlassen hatten und noch eine weitere, bis wir den kleinen etwas verschlafenen Ort Konakovo erreichten. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache wurden wir auf die freundlichen Gastgeber verteilt. Unsere Familie sprach Deutsch und das war meine erste Erleichterung. Die russische Gastfreundlichkeit ist wirklich sprichwörtlich, auch was das Essen angeht, aber das ist eine andere Geschichte … Unsere Gastgroßmutter war sehr herzlich und der neun Monate alte Leo war eigentlich ganz süß aber recht ‚bissig’ (was heißen soll, dass er seine Zähne alles und jeden versenkte).

Am nächsten Morgen bekamen wir ein üppiges Frühstück und wurden unterwegs – wie jeden Morgen – vom Bus aufgelesen, was den Vorteil hatte, später aufstehen zu können. Den (Vor-)Mittag verbrachten wir in einem nahe liegendem Erholungs- und Sportgebiet namens „Dipkorpus“ wo wir Reiten, Golfen, Schwimmen, Sportschießen und Fußball spielen konnten. Es kam jeder auf seine Kosten und wir waren ziemlich geschafft – beste Vorraussetzungen also für das Konzert am Abend. Wir aßen zu Mittag (recht russisch) und sahen uns dann im hiesigen Kulturzentrum einen sehr guten, wohl auch bekannten, Kinder-/Jugendlichenzirkus an. Hinterher waren wir selbst dran mit der Probe für das „Konzert des deutschen Chors der Knaben und Jungen“. Die Akustik war schlecht, der Platz eng begrenzt, die Luft stickig und das Licht grell. Die zusätzliche Enge auf der Bühne, bedingt durch den russischen Knabenchor trug hier auch nicht gerade zur Entspannung bei. Wir hörten uns gegenseitig kaum, das Klavier kam bis zu meiner Ecke nicht durch und selbst die Mikrofone brachten es nicht wirklich. Dennoch war der Saal ziemlich voll und öfters waren im begeisterten Applaus auch einige „Bravo“ zu hören … Das kennt man aus unseren Breiten eher weniger. Es waren außerdem auch einige Eltern der russischen Chorsänger im Publikum, was auch den Bogen von den Akteuren (wir & der russische Chor) in den Saal spannte. Besonderen Anklang fanden die eigens für diese Reise besonders geübten Russischen Volklieder wie z. B. Katjuscha, die wir natürlich mit unseren Gastgebern gemeinsam sangen. Aber als wir dann auch noch mit Bewegungen in Yellow submarine oder I’m walking begannen, waren die Zuhörer kaum mehr zu halten. So konnten wir trotz der miesen Akustik und der relativ durchmischten Gesangsqualität doch ganz schön punkten …

Nach dem zum Glück kleinen Frühstück ging es am nächsten Tag in aller Herrgottsfrühe um 10:30 Uhr nach Klin, einer nahe liegenden Stadt, wo wir uns Tschaikowskis Wohnhaus und ein Weihnachtsschmuck-Museum ansahen, in welchem wir in einer sehr hohen Halle ein Weihnachtslied sangen, wobei die Akustik des Raumes umwerfend und kein Vergleich zum vortägigen ‚zugebundenen Sack’ war. Nach dem Mittagessen ging es zurück nach Konakovo, wo wir wieder mit dem russischen Knabenchor für ein späteres Konzert verschiedene russische Volkslieder zusammen, und die erste Strophe eines deutschen Liedes (Wenn alle Brünnlein fließen) probten. So studierten wir zum Beispiel Kalinka oder die Schulhymne der Akademie ein. Aber der russischen Chorleiterin (die ansonsten ganz nett war) schien einmal singen nie genug, sodass wir alle Lieder 3-4x trällerten.  Danach gab es auch etwas für den Magen: Pfannkuchen, kochend heißen Tee in Plastik(!)-Bechern, Kuchen, und sonst allerlei … Und unsere Gastoma bestand danach auf ein weiteres Abendessen zu Hause.

Am nächsten Morgen ging es schon recht früh aus dem Bett: Es war der Tag, an dem wir Zeit in Moskau haben sollten. Ich aß wieder zum Glück  n u r  ein Brötchen und später spielte ich wie alle Tage zuvor wieder Roulette in Sachen Sitzplatz im Bus. Als erstes machten wir nach einer kleinen Stadtrundfahrt in der nähe des Hotel Ukraina Halt und konnten Souvenirs kaufen, sowie die wunderbare Silhouette der Metropole bestaunen. Als Nächstes ging es zum Roten Platz, Warenhaus GUM und zum Kreml. Im Kreml besuchten wir zwei Kathedralen und die Rüstkammer. Was wir an jenem Tag aber gar nicht mehr geschafft hatten, war ein Besuch in der berühmten Tretjakow Galerie. An jenem Abend fand das UEFA-Fußballspiel Deutschland : wen-auch-immer statt, und so blieben meine beiden Gastfamilien-Genossen noch den Abend über in einem städtischen Lokal.

Am Donnerstag fuhren wir nach Twer und machten auch dort eine Stadtrundfahrt mit Einkaufsbummel(!).

Am Abend dann gab es wieder ein Konzert, diesmal in der ansässigen Philharmonie. Auf den ersten Blick, dachte ich wie einige andere, wir hätten uns in der Straße geirrt, denn von außen machte das Gebäude einen schon recht prachtvollen Eindruck. Die Probe war recht gut und auch das eigens für das Konzert einstudierte Männerquintett, an dem ich mitwirkte, lief recht passabel. Noch während der Probe aß ich jedoch einen Apfel und lustigerweise bekam ich allergische Beschwerden, u.a. begann mein Hals zuzuschwellen. Ich lutschte drei Bonbons und es wurde leicht besser. An der Stelle sei gesagt, dass wir eigentlich ganz froh sind,

Schließlich war das Konzert dann doch ein ganz großer Erfolg, viele Stücke waren wunderbar, vieles sehr sauber gesungen und als dann noch die russischen Knaben und Männer mit uns zusammen sangen, war es überwältigend. Das Publikum war vollauf begeistert und das spiegelte sich auch wiederum in unserem Gesang wider. So gaben wir wieder russische Volkslieder zum Besten, wie auch Händels Halleluja. Mit dem Klavier klang es gleich noch mal doppelt so gut. Dann ging es geschafft nach Hause und ins Bett.

Da ich gerade die unglaubliche Länge meines kurzen Reiseberichtes bemerke, fasse ich mich kurz und die letzten beiden Tage zusammen: Am Freitag, war mehr Freizeit für den Vormittag geplant, um entspannt dem Schlusskonzert am Abend entgegenzusehen: Fußball, Schaschlik und eine Fahrt auf dem Spazierboot; hier ist anzumerken, dass es in Russland weder CO2-Ausstoß noch den Klimawandel gibt – zumindest, wenn man nach der Rauchwolke des Schiffes geht … Nach dem Schaschlik gab es wie zu erwarten: MITTAG. Bis zum Platzen voll gestopft fuhren wir wenig später ins das ortsansässige Kulturzentrum „Sovremennik“. Wir probten zusammen mit den Russen und am Ende des Abends war es dann soweit: Das super Abschlusskonzert war da und man kann eigentlich festhalten, dass wir uns kontinuierlich von Montag zu Freitag gesteigert hatten. Wir waren jedoch nicht die einzigen an dem Abend. Rund zehn andere Chöre sangen vor uns und wir bildeten den Abschluss. Richtig laut wurde es jedoch erst mit den Russen. Wir sangen gemeinsam wieder Volkslieder und zum Schluss die Schulhymne der Chorschule, der alle Chöre angehörten. Dies war eigentlich das Meisterwerk des Abends, von dem sich so manch moderner Komponist ruhig eine Scheibe abschneiden könnte … Zum Schluss gab es einen bunten Zeitungsschnitzelregen und jeder bekam eine Chronologie der Schule sowie ein T-Shirt. Der gesamte Abend wurde mit einem gemeinsamen Bankett abgerundet, worauf eigentlich ein Lagerfeuer stattfinden sollte, was jedoch wegen schauerartigem Platzregen abgesagt wurde.

Am nächsten Morgen ging es nach langer Verabschiedungsprozedur zurück in den Bus.

Es ging das Gerücht um, dass man uns für kommendes Jahr zu einem Stadtjubiläum erneut eingeladen hatte. Das wäre natürlich prima, denn es war eine der schönsten Reisen der letzten Zeit. Da die Reise auch  mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stattfand, konnten auch die Sänger mitfahren, die es sich nicht hätten leisten können, den vollen Reisepreis zu zahlen.

Die Busfahrt ging trotz Stau recht zügig und auch mit der Gepäckabfertigung, Koffertauscherei und Platzverteilung lief alles reibungslos ab. Als wir in Deutschland landeten und verschiedene zollpflichtige Waren wieder untereinander zurücktauschten, waren, so glaube ich, alle einerseits recht froh, wieder zu Hause zu sein, andererseits dachten sie auch gerne an die schönen Tage, vielen neuen Eindrücke und netten Menschen, die uns dort begegnet sind.